Im Allgemeinen geht man oft davon aus, dass, wenn man eine realistische Tätigkeitsvorschau gewährt, es zu einer Selbstselektion der Bewerber kommt und die Frühfluktuation gemindert wird. Studien zeigen hierfür jedoch nur eine sehr geringe statistische Signifikanz. Der Grund dafür, warum eine realistische Tätigkeitsvorschau kaum hilft, ist recht einfach.
Damit eine realistische Tätigkeitsvorschau tatsächlich zu einer Selbstselektion führt, müssen die Bewerber Alternativen haben.1 Wer keine hat, nimmt erst einmal jeden Job um einen zu haben und schaut sich in Ruhe weiter um. Eine Senkung der Frühfluktuation kann somit nur unter bestimmten Bedingungen funktionieren.2
Ob Sie nun eine größere Menge von Interessenten haben die kein realistisches Bild von der Tätigkeit haben und deswegen früh gehen oder weniger Bewerber die den Job als Brücke nutzen und sich deswegen nicht selbst selektieren aber trotzdem früh gehen, ist letzten Endes gleich. Eine angemessene Tätigkeitsbeschreibung ist folglich ethisch geboten, helfen tut sie jedoch kaum.
Entscheidend dafür, ob jemand im Unternehmen bleibt oder früh geht, ist nicht die Tatsache ob er eine realistische Vorschau von der Tätigkeit bekommen hat oder nicht, sondern ob die Tätigkeit für ihn erfüllend ist oder nicht. Erfüllend ist eine Aufgabe dann wenn sie vielfältig ist, einen Ganzheitscharakter besitzt, Entscheidungs- und Kontrollspielräume beinhaltet, bedeutsam ist und man Feedback über seine Arbeit erhält.3
1 Vgl.: Vandenberg, R. J. & Scarpello, V. (1990): The matching model: an examination oft he processes underlying realistic job perviews. In: Journal of Applied Psychology. Vol. 75. No. 1. S. 60 – 67.
2 Vgl.: Buckley, M. R., Mobbs, T. A., Mendoza, J. L., Novicevic, M. M., Carraher, S. M. & Beu, D. S. (2002): Implementing Realistic Job Perviews and Expectation LoweringProcedures: A Field Experiment. In: A Journey of Vocational Behaviour. Vol. 61. No. 2. S. 263 – 278.
3 Vgl. Hackman J. R., Oldham, G., Janson, R. Purdy, K. (1975): A new strategy for job enrichment, in California Management Review 17.
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